Lachsangeln Victoria/Sooke, BC, Kanada

  • 15.6. 2026, Nootka Sound Tag 1


    Und so fuhren wir bald den Fjord raus. Schon einen Kilometer von der Muendung entfernt kam die Duenung hereingeschwappt. Nicht riesig aber ekelig kurz-frequentig und unangenehm entgegen zu fahren. Als wir uns 10 Minuten spaeter bis zum Leuchtturm Friendly Cove durchgekaempft hatten und auf’s offene Meer schauten, schuettelten wir uns gegenseitig die Koepfe zu; 1.5 m Duenung alle 2-3 Sekunden und eine Meterwelle quer drueber. Haesslich und in unserem Boot nicht befischbar. Ein oder 2 groessere Boote sah man da draussen herumholpern aber die meisten Boote hatten sich im Wind-und Wellenschatten innerhalb vom Leuchtturm und Fjord abgeduckt. Das war auch unser Plan. Je nach Futter konnte man auch hier richtig gutes Angeln erleben. Manchmal war das Futter aber nur um die Ecke herum, zwischen den Felsinseln und Buchten der offenen Kueste. Das war dann frustrierend wenn man weiss, dass die Fische nur paar 100 m weg aber doch unerreichbar waren. Mal sehen.


    Ich hielt unser Boot auf Kurs und die Jungs machten Ruckzuck zwei Ruten und die Downrigger fertig. Die beiden waren erfahren und geschickt mit dem Geraet und eine klasse Angelcrew! Eine UV Flashfly, die sowohl eine mittlere Sardine oder Hering aber auch ein Squid imitieren konnte, auf der einen Seite und etwas tiefer einen schlanken, mittelgrossen Glow-Blinker der Kleinheringen oder Sandaalen aehnlich sah. Und so schleppten wir eine halbe Stunde Richtung inneren Fjord, immer dicht am felsigen Ufer entlang. Wir kamen an einer kleinen Insel, die eine kleinere Bucht verdeckte, vorbei und ploetzlich kamen grosse Wolken am Echo auf. Ricardo deutete auch zu springenden kleinen Fischchen vor dem Boot. Hier war Leben, da muesste doch was gehen!? Wir waren schon fast an der Insel vorbei und vor dem oestlichen Eingang zur Bucht als Ricardo ploetzlich aufsprang und sich die Flashflyrute schnappte. Anschlag sass und die Rute war gut krumm. Und, fragte ich? “Richtiger Fisch”? Ricardo wackelte unsicher mit dem Kopf. Es sah so aus als wollte der Fisch Schnur nehmen aber nicht richtig konnte. Wir liessen die zweite Rute noch drinnen. Aber dann hoerte ich ploetzlich die Bremse lossingen. Aha, doch kein Kleiner!? “Nee, das ist was Ordentliches.”, meinte Ricardo jetzt. Alex und ich freuten uns. Na also! Vielleicht fingen wir ja doch wenigstens einen guten Fisch trotz Sturm.


    Alex holte schnell die zweite Rute rein und ich beide Downrigger damit kein Hindernis noch in die Quere kam. Ricardo drillte den Fisch gut aus und nach 5 Minuten bekamen wir einen ersten Blick. Jawoll! Das war ein guter Teener Chinook! Bitte bleib’ jetzt dran, dachte ich. Alex stand schon mit dem Kescher bereit aber der Lachs wollte noch nicht und zog noch zweimal tief ab. Aber dann zerrte ihn Ricardo in den wartenden Kescher und er kam an Bord. Mensch, wir alle 3 jubelten und klatschten uns strahlend ab. Das war ein richtig guter Fisch – vielleicht 14- 15 Pfund. Wenn das so losgeht, dann ist doch alles bestens! Schnell hatten wir ein Foto gemacht und den Fisch versorgt und dann die Ruten wieder eingesetzt. Ich drehte zurueck zu dem Futterschwarm. Und keine 10 Minuten spaeter rappelte die Blinkerrute los und Alex hatte einen Fisch am Band. Der schien etwas kleiner aber als er ihn am Boot hatte, kam ein schoener 6-7 pfuendiger Coho in Sicht. Und hier im Fjord drinnen darf man markierte und unmarkierte Cohos behalten. Na klar, den nahmen wir auch gerne mit! Der sollte eines unserer Abendessen werden. Ich zirkelte wieder zurueck und 5 Minuten spaeter der naechste Biss und wieder ein Coho. Der war vielleicht ein bisschen kleiner aber markiert und daher nahmen wir den auch mit. Wer haette das gedacht, dass wir am ersten Abend nach einer Stunde schon eine gute Rutsche Lachs in der Kiste haetten!


    Wir sahen jetzt mehr springende und schnappende Kleinfische in dem Buchteingang und so fuhr ich mal um die Insel in die Bucht hinein. Da wurde ploetzlich die Flashflyrute brutalst nach unten und hinten gerissen. Ein Ripper! Bevor Ricardo die Rute auch nur in der Hand hatte, waren schon etliche Meter Schnur von der Rolle. Was war denn hier los? Ein atemberaubender Drill begann und wir feuerten Ricardo an. Der Fisch sprang sogar einmal aus dem Wasser; etwas was Chinooks nicht oft machen. Der war wieder ein feiner Fisch. Und kurze Zeit spaeter lag wieder ein herrlicher Chinook von 17-18 Pfund im Boot. Unglaublich! Und es ging munter weiter. Ich verpasste einen schoenen Biss, Alex verlor einen guten Fisch nach paar Sekunden. Und etwas tiefer in der Bucht wurde wieder die Blinkerrute brutal ausgeloest und waehrend ich noch die Rute aus dem Halter fummelte, zerrte der Fisch schon Schnur von der Rolle. Und er lief und lief und lief…. Wow, das musste ein Brocken sein! Die Jungs machten das Deck frei und holten die Downrigger ein und drehten den Motor zurueck. Endlich hielt der Fisch an und ich machte Druck. Aber jetzt raste der Fisch unaufhaltsam Richtung Boot, und trotzdem ich an der Rollenkurbel alles gab und Ricardo den Motor wieder aufdrehte, war die Schnur sicher 5 Sekunden schlapp und ich hatte wenig Hoffnung, dass der Einzel-Schonhaken solange hielt. Aber ich hatte Glueck und er blieb dran und irgendwann war ploetzlich wieder Widerstand da. Und jetzt hielt der Fisch tief und ich fuehlte maechtige Kopfstoesse. “Das ist ein grosser Fisch!”, meinte ich zu den Jungs, und ich legte mich und das Material voll rein. Jetzt galt es alles rauszuholen. Und langsam kam er. Als er vielleicht 10 m hinter dem Boot das erste Mal an die Oberflaeche kam, sahen wir nur kurz eine maechtige Schwanzflosse aufplatschen und schon zog der Fisch wieder unaufhaltsam ab. Ich musste ihn noch zweimal zum Boot pumpen bis er dann endlich auch kaputt war und sich in den Kescher ziehen liess. Gewonnen! Wieder jubelten wir als Alex den Fisch hereinhievte. Wow, der war schon einiges ueber 20 Pfund! Was fuer ein Fisch! Groesser als jeden den ich das ganze letzte Jahr gefangen hatte. Genau 90 cm lang. Jetzt fuellte sich unsere Fischbox schon ziemlich gut.


    Aber es ging weiter! Wir erlebten eine unfassbar gute Angelei in dieser Bucht hier. Es dauerte keine 10 Minuten sie einmal komplett zu durchrunden aber in jeder Runde bekamen wir mindestens einen Biss. Auf der Inselseite bis zum Buchteingang schienen mehr die Cohos zu stehen und wir fingen von denen auch noch einige. Fuer Mitte Juni waren die auch schon gut im Futter und alle mindestens 5- 6 Pfund schwer. Wir behielten erstmal keine weiteren Cohos und liessen alle wieder schwimmen. Alex fing auf einmal einen massigen Lingcod an der Blinkerrute und das veranlasste uns es mal mit Pilkern zu versuchen. Wenn die Lachse hier so zahlreich standen und auch frassen, konnte man sie vielleicht auch am Pilker fangen. Ricardo brachte eine schoene Scholle hoch die ich auch gerne mitnahm. Einige kleinere Felsenbarsche verfielen auch dem Pilker, aber die Lachse hielten sich davon fern. So gingen wir nach einer halben Stunde wieder zum Schleppen ueber.


    Da kam auch sofort wieder ein harter Biss an der Blinkerrute bei 30 m Tiefe und diesmal war ich wieder dran. Guter Widerstand, starke Kopfstoesse und die erste Flucht… und ploetzlich war er weg. Oh Mist, das Vorfach war durchgescheuert. Wir vermuteten das der Lingcod mit seinen Zaehnen oberhalb vom Blinker am Vorfach seine Spuren hinterlassen hatte. Und wir hatten nicht kontrolliert. So nachlaessig wollten wir nicht mehr sein. Ich fand noch einen aehnlichen Blinker in meiner Koederkiste. Und die Beisserei ging munter weiter. Ganz hinten in der Bucht zog wieder die tiefere Blinkerrute ab und Alex wurde in einen sportlichen Drill verwickelt. Auch der katapultierte sich einmal aus dem Wasser und war wieder ein feiner Chinook. Es machte uns allen einen Riesenspass einen guten Fisch nach dem anderen zu drillen. Alex strahlte an der Rute. Und schliesslich hatte ihn Alex muede gekriegt und in die Reichweite vom Kescher gebracht und ich sackte ihn ein. Wow, wieder ein 16 Pfuender.


    Wir waren begeistert von dieser Angelei hier. In der geschuetzten Bucht konnten wir trotz der steifen Brise in Ententeichbedingungen fischen. Chinook und Coho schienen hier voll drinnen zu stehen und sich an den grossen Kleinfischschwaermen, die wir immer wieder am Echo sahen, die Baeuche vollzuschlagen. Und wir hatten das durch Zufall entdeckt und hatten die Stelle fuer uns alleine. Waehrend die anderen Boot vorne am Leuchtturm in den Wellen kaempften, standen wir hier in ruhigem Wasser dick im Fisch. Wir hatten jetzt 4 grosse Chinook und 1 Coho und eine Scholle an Bord. Wenn mir einer gestern gesagt haette, dass wir auf dem gesamten Tripp soviel fangen wuerden, haette ich das angesichts der angesagten Windverhaeltnisse voll unterschrieben. Das war eine Fuegung von Petrus, keine Frage! Das Witzige war das hinten in der Bucht eine Fishing Lodge am Ufer stand und wir einige Boote raus- und reinkommen sahen. Die fuhren alle raus in die rauhen Bedingungen und konnten nur hoffen halb so viele und gute Lachse dort zu fangen. Dabei standen die dicken Lachse direkt vor deren Haustuere. So kann’s gehen! Irgendwann machten wir Schluss; ich musste ja noch die vielen Fische filettieren und zur Kuehlung vorbereiten und die Jungs wollten was kochen.


  • 15.6. 2026, Nootka Sound Tag 1 cont.


    Dieser unerwartete Erfolg schon am ersten Nachmittag brachte auch Herausforderungen. Critter Cove hatte keine Gefriermoeglichkeiten fuer die Kabinen und Suites am Dock. Die Chalets auf dem Land hatten das wohl, aber wir mussten ohne auskommen. Normalerweise bot das Resort fuer die Dockside Unterkuenfte einen Eisschrank Service wo man Fische waehrend des Aufenthaltes auf Eis legen lassen kann. Natuerlich nicht umsonst. Dafuer werden die Fische besser nicht filettiert sonder nur ausgenommen und ohne Kopf eingetuetet und dann dort auf Eis aufbewahrt. Aber von Montag Abend bis Freitag war schon eine lange Zeit Fische nur auf Eis gekuehlt aufzubewahren – fand ich zumindest. Mehr als 3 Tage hatte ich das noch nicht probiert. Aber da wir in der No Frill Woche hierwaren, war selbst dieser Service noch nicht fertig. Angeblich erst am Dienstag waere der Kuehlraum fertig und die Belegschaft angelernt das zu bedienen. Gluecklicherweise war das auch vorher so kommuniziert worden und ich konnte mich darauf vorbereiten. Eine weitere Huerde fuer eine Loesung war, dass die Dockside Kabinen und Suites keine Steckdosen fuer Geraete hatten. Das heist, aussen auf der Terasse vor jeder Unit war zwar eine Doppelsteckdose, aber man war gebeten die nur fuer Ladegeraete oder andere Kleingeraete wie medizinische Hilfen oder so zu verwenden. Wahrscheinlich hatten die Schaltkreise keine grosse Kapazitaet fuer etliche Geraete oder Gefriertruhen etc.


    Aber ich hatte mir im Winter eine 12V Kuehl-oder Gefriertruhe gekauft im Campingformat und eine feine 12V Lithium Batterie besorgt. Die Truhe konnte bis -20 Grad kuehlen und 2-3 Tage von der Batterie leben. Und die reichte gerade die heute gefangen Fischfilets aufzunehmen. Damit war auch das Problem geloest. Nach 2 Tagen lud ich dann ueber Nacht die Batterie ohne Problem an der Aussensteckdose wieder auf. Waehrend des Ladevorgangs stieg die Temperatur auch nur bis auf -8 Grad wieder an bevor ich wieder neuen Saft hatte. Und so funktionierte auch dieser Behelfsplan. Bei einem schoenen Grillabend und einem kalten Bier liessen wir diesen ueberall erfolgreichen Tag ausklingen. Morgen sollte es um 5 Uhr losgehen. Wir waren heiss und optimistisch auf mehr.


  • 16.6. 2026, Nootka Sound Tag 2


    Ich hatte mich am Abend vorher noch mit unseren Kabinennachbarn unterhalten. Zwei freundliche Amis, auch mit einem 19 Fuss Arima Boot. Die hatten sich stundenlang durch die Wellen am Fjordeingang durchgekaempft fuer zwei mittlere Chinooks. Seltsamerweise hatten die gar keinen Kontakt mit Cohos obwohl sie viel dichter an der offenen Kueste waren und die Cohoschwaerme um diese fruehe Jahreszeit eher dort zu erwarten waren. Ich hatte denen zwar nicht unsere erfolgreiche Bucht genau beschrieben, aber weil sie so nett waren und ihr Geschirrspuelmittel, welches wir vergessen hatten, mit uns zu teilen, verriet ich ihnen, dass wir schoene Lachse ziemlich weit im Fjord gefangen hatten. Die beiden beschlossen so auch sich heute ruhigere Gefilde im Fjord zum Fischen zu suchen.


    Wir wollten den fruehen Start nutzen um vielleicht fuer eine Stunde oder so wenigestens an ein oder zwei ufernahe Pilkstellen vor dem Fjord heranzukommen. Dort konnten wir Heilbutt und Lingcod erwarten. Der Wind und Wellengang waren noch ok aber Alex fuehlte die lange Anfahrt in der Duenung trotzdem schon im Magen. Ich fuhr zu einer kleinen sandig-kiesigen Untiefe am suedlichen Fjordeingang. Schnell waren zwei Pilkerruten fertiggemacht und los ging’s. Die Jungs bekamen am Pilker mit kleinen Fischfetzen Knabberbisse die sich als Schollen herausstellten. Eigentlich waren die Pilkerdrillinge zu gross fuer deren Maeuler aber irgendwie blieben doch ein paar Exemplare haengen. Zwei ordentliche Kaliber nahm ich auch wieder mit. Bei der dritten Drift war dann Ricardos Rute richtig krumm und wir waren gespannt! Ich hoffte auf einen kleinen Butt aber der kleine Kaempfer stellte sich als ein brauchbarer Lingcod heraus – mit knapp 80 cm reichlich ueber dem Mindestmass von 65 cm. Der ging mit. Dann kam aber nichts mehr.


    Ich fuhr uns noch an eine steil abfallende Felskante und wir drifteten dort auch etwa 3 Mal entlang. Einmal hatte Ricardo einen schwere Einschlag und der Fisch nahm auch gut Schnur aber nach paar Sekunden war der Kontakt weg. Dann vermeldete Alexander einen guten Biss und seine schwere Spinnrute verneigte sich ordentlich. Ich machte mich schon zum Gaffen fertig und als das zaehnestarrende aufgerissene Maul des Lings auftauchte, musste ich nur noch den richtigen Winkel finden. Der Ling hing nur aeussert knapp und als ich gerade zuschlagen wollte, waelzte er sich nochmal und riss sich den Haken aus und verschwand buchstaeblich kurz vor dem Gaffeisen. Baehhh, das war knapp daneben. Nun ja.


    An einer weiteren und etwas tieferen Untiefe pilkte ich auch ein bisschen mit. Auch hier kann man mit guten Butten und auch grossen Lings rechnen. In der Vergangenheit hatten wir an dieser Stelle auch hin und wieder einen Red Snapper (eigentlich Yelloweye Rockfisch) gefangen. Damals konnte man die noch behalten und die waren auch sehr begehrte Speisefische (Rotbarschverwandter). Die Bestaende waren damals aber ruecklaeufig und vor etwa 6 oder 7 Jahren wurde sowohl die Berufs-als auch die Sportfischerei darauf geschlossen. Seitdem mussten die Bestaende gut zugenommen haben denn selbst vor Victoria und Sooke, wo sie fast schon verschwunden waren, faengt man heute wieder einige. Das Problem mit den Felsenbarschen ist, dass sie den Druckausgleich vom Tiefen zur Oberflaeche nicht schaffen und mit aufgeblaehten Augen und Maegen kaum je den Fang ueberleben. Daher muss man jetzt immer beim Bodenfischangeln ein Ablassgeraet fertig zum Einsatz haben. Das sind Geraete an denen man gefangene und freizulassende Felsenbarsche wieder zurueck auf Tiefe bringt. Angeblich kann das Barotrauma so bei vielen wieder rueckgaengig gemacht werden und die Fische ueberleben oft. Ich bin zwar etwas skeptisch aber mache es natuerlich wie gefordert. Meist verlasse ich Stellen die voll von nicht gewollten oder kleinen Felsenbarschen sind.


    Hier, an dieser mir bekannten Pilkstelle, schien sich nun ein richtiges Snappernest gebildet zu haben. Die Jungs und ich brachten einen nach dem anderen hoch und ich liess sie alle wieder runter. Das war fast noch mehr Arbeit. Aber es waren nicht nur die Snapper zuhause denn ploetzlich schlug es in meiner Rute ein und etwas truemmerte ganz schoen herum da unten. Wieder ein guter Lingcod aber diesmal durfte der wieder schwimmen. Wir hatten 2 behalten, das wuerde mir reichen. Ich wollte noch Platz fuer einen Butt behalten. Als dann wieder Snapper bissen, machten wir auch bald Schluss um nicht zu viel Schaden an den geschuetzten Barschen anzurichten. Aber schoen zu sehen, das sich die Natur auch mal wieder erholen kann wenn man geeignete Mittel ergreift. Wobei ich ueberzeugt bin, dass der weitaus groesste Unterschied mit der Einstellung der Berufsfischerei auf die Snapper erreicht wurde und die Schonsperre der Sportfischerei nur einen kleinen Randeffekt hatte.


    Der Wind und die Wellen legten nun zu und wir brachen ab und fuhren direkt wieder zu unserer Bucht. Die anderen ueblichen Buttstrecken weiter vor der Kueste blieben fuer uns unerreichbar bei den Bedingungen. Wir setzten die Schleppruten wieder schon vor dem Buchteingang ein und hofften das das Futter und die Lachse noch vor Ort waren. Die Signale auf dem Echo waren vielversprechend. Und tatsaechlich dauerte es nicht lange bis der erste Biss kam. Alex war schnell an der Rute und brachte einen richtig strammen Coho an’s Boot. Sogar markiert, der ging mit. Direkt in der Buchteinfahrt kochte das Wasser fast vor Kleinfischen. In den Maegen der gestern gefangenen konnten wir sehen was das war: winzige 5 cm lange Heringe. Da mussten Millionen hier herumschwimmen. Manchmal wackelten die Angelschnuere wenn wir durch einen Futterschwarm durchschleppten. Ruckzuck hatten wir 4 oder 5 Cohos gefangen von denen noch 3 markiert waren und noch in die Kiste wanderten. Dann hatte Ricardo ploetzlich was Schwereres an der Leine. Aha, der nahm wieder Schnur – ein Chinook! Der Junge grinste von Ohr zu Ohr – es war einfach zu schoen hier zu angeln und nach Herzenslust zu drillen und zu fangen!


    Ein schoener Teener Chinook tauchte auf und kam an Bord und in die Kiste. Alex verlor einen weiteren Chinook nach kurzem Kampf. Wieder lachten wir als wir Boote von weit draussen zur Lodge im hinteren Winkel der Bucht zurueckkamen und wohl meinten was wir Spinner hier bloss fangen wollten. Wir hofften nur das die uns nicht zu lange beobachteten und dann unsere Bucht schnell mit Booten und Anglern zugeparkt war. Ploetzlich pumpte Alex was Schweres aber Traeges ans Boot. An einer Kelppflanze haengengeblieben? Holz? Oder vielleicht ein kleiner Butt? Nee, ein feiner Lingcod hatte sich den Blinker kurz ueber Grund geschnappt. Da sieh einer an! Der hing gut und blieb auch dran bis ich ihm das Gaff in den Schaedel schlug und ihn ins Boot zerrte. Feine Sache! Der war schon weit ueber 80 cm! Aber wir waren noch nicht fertig; einen mittleren Chinook fingen die Jungs noch aber wir liessen den wieder schwimmen. Wir hatten fuer’s erste genug. Wir wollten zu einem spaeten Mittagessen zurueck zum Resort, bisschen Pause machen und dann lieber abends nochmal ein-zwei Stuendchen raus.


    Ich machte wieder die Fische klar und heute konnte man die Fische ins Kuehlhaus einlagern lassen. Nur die kleinen Schollenfilets und die Lingfilets passten noch in meine Gefriertruhe. Dann gab’s fein Essen und ein Paeuschen. Unsere Nachbarn kamen auch zurueck und hatten auch ordentliche Chinooks gefangen. Und zwar noch tiefer im Fjord als wir. Die waren zwar etwa kleiner als unser Durchschnitt, aber definitiv auch reife Laichlachse und keine Winter Chinooks, also unreife Fresslachse. Auch sie waren als relativ erfahrene Nootkaangler erstaunt wie gut das so frueh dieses Jahr im Fjord ging. Wir hatten ein paar Theorien aber keine Gewissheit. Allerdings waren die beiden noch keinem Coho begegnet und ich deutete etwas genauer an wo unser Hotspot war. Ein Fehler?


    Abends duesten wir nochmal zu unserer Bucht. Nanu, da waren schon zwei Boote am Schleppen! Mist, das Geheimnis war wohl raus. Es waren allerdings nicht unsere Nachbarn dabei und so vermutete ich, das uns heute morgen jemand beobachtet haben muss. Naja, es ging gerade noch die kleine Bucht mit 3 Booten zu befischen. Wir bekamen alle ein paar Bisse aber es war nicht mehr so heiss wie vorher. Wir fingen noch einen guten Chinook, den wir behielten, und liessen noch 2 Coho wieder frei. Der Wind blies jetzt auch direkt in den Buchteingang hinein und wackelte sogar hier ein bisschen das Wasser und drueckte viel Schwimmkraut hinein. Dann machten wir uns schon fast bei Daemmerung auf den Heimweg. War wieder ein schoener und erfolgreicher Tag gewesen. Waehrend der erste Tag noch kuehl und bedeckt gewesen war, verzogen sich heute morgen die Wolken Stueck fuer Stueck und es wurde noch ein sehr sonniger Nachmittag und Abend. Auch morgen sollte die Sonne richtig runterballern.


  • 17.6. 2026, Nootka Sound Tag 3


    Fuer den dritten Tag hatten wir uns mal ein abwechlungsreiches Programm vorgenommen. Am Morgen wollten wir mal zum Leuchtturm fahren und vielleicht um die Ecke zur offnen Kueste schauen. Wenn es sich machen liesse, wuerden wir mal die erste Bucht am Strand und zwischen den ersten Klippen auf Lachs und vielleicht auch etwas weiter draussen auf Butt schleppen. Wenn das nicht ging, konnten wir es immer wieder innen im Fjord und in unserer Bucht versuchen. Das so bis Mittag und dann wuerden wir bis zum ganz inneren Ende des Nootka Sounds fahren, zum Moutcha Bay Resort an der Conuma River Muendung. Dort wuerden wir unser Boot an der Marina abstellen und zu Fuss mehrere Kilometer die Schotterstrasse den Fluss hochwandern, zu ein paar Flussangelstellen die uns in der Vergangenheit zu dieser Jahreszeit schon herrliche Forellen gebracht haben. Wir hatten dafuer extra Spinnzeug dabei.


    Wieder kamen wir um 5 Uhr aus den Kojen und waren eine Stunde spaeter beim Leuchtturm. Alex hatte sich fuer die Fahrt in die Bootskoje verkrochen und schlief wieder. Am Leuchtturm angekommen, sahen wir einige Boote auch ausserhalb fischen. Ich fuhr um die letzte schuetzende Felsnase herum und voila, es war gar nicht schlimm. Klar, es war Duenung aber wenn man langsam schleppte sollte man das nicht so sehr merken. Ausserdem war die erste Bucht am Strand noch dazu von einigen im Meer liegenden Felsklippen und Inselchen etwas geschuetzt. Und so tuckerten wir in die Bucht hinein und machten 2 Ruten fertig. Hier hiess es sehr flach schleppen weil wir nur so in 12 -15 m tiefem Wasser unterwegs sein wuerden. Eine Rute hing bei 10 m und eine bei 12 m. Es waren einige grosse Fischsicheln in der Bucht unterwegs und auch Futterwolken die etwas anders aussahen als die Heringsschwaerme, die wir nun schon gewohnt waren. Vielleicht Squids? Die laichten hier in solchen Buchten im Fruehjahr und fruehen Sommer. Dann schossen sich alle Raubfische auf dieses Beutemuster ein. Unsere Flashfly passte gut in dieses Muster.


    Ploetzlich sprang Ricardo auf und ich sah gerade noch wie die Flashflyrute wieder brutal nach hinten gerissen wurde und schon wieder Schnur ablief bevor Ricardo auch nur die Rute aus dem Halter hatte. Grosslachsalarm! “Oh ja, ohhh ja….” kam da aus Ricardo’s Mund und der Fisch zog unaufhaltsam ab. Ich holte schnell die andere Rute ein und die beiden Downrigger. Alex war vom Krach wach geworden und kam auch hervor und uebernahm das Steuer. Ein aeussert spannender Drill spielte sich nun vor unseren Augen ab. Immer wieder raste der Fisch wild davon bis dann Ricardo es schafft dessen Kopf zu drehen und ihn wieder ein paar Meter Richtung Boot zu bringen. Dann sahen wir etwas Grosses sich weit hinter dem Boot an der Oberflaeche zu waelzen. Der war richtig gross! Aber Ricardo hatte ja die letzten Tage schon gut geuebt und parierte jeden Trick des Fisches. Keine einzige Sekunde war die Schnur locker und so hatte der Lachs keine Chance den Haken abzuschuetteln, wenn er denn gut hing. Die Fluchten wurden nun immer kuerzer und bald sahen wir den Fisch das erste Mal in Bootsnaehe. Wow, was fuer ein Brocken! So einen Stiernacken!


    Ein paar heikle Momente noch dicht am Boot aber Ricardo war auf der Hut und sprang von einer Seite zur anderen und hielt die Schnur aus den Motoren heraus. Dann langte Alex mit dem Kescher zu und fast waere der Lachs nochmal aus dem Kescher rausgesprungen. Aber dann lag er besiegt im Boot. Alex sagte nur bewundernd “Mein Gott!”. Ein makeloser Lachs. Wenn ich einen Lachs malen wollte, wuerde der so aussehen. Perfekte Proportionen und einen richtige Schoenheit. Wir freuten uns alle mit dem erfolgreichen Faenger. Ricardo hielt das Massband an: 91 cm. Damit einen Zentimeter laenger als meiner am ersten Abend; der groesste der Tour bisher. Und wird schwer zu toppen! Noch benommen vor Begeisterung aber auch befluegelt machten wir das Geraet wieder einsatzbereit. Ich hielt das Boot dicht an den vermeintlichen Squidschwaermen und das schien sich auszuzahlen. Ploetzlich riss die Blinkerrute hart an und loeste aus. Ich schnappte mir die Rute kurbelte kurz an bis Widerstand fuehlbar wurde und hieb an. Aaaaah, diese herrliche Gefuehl wenn ein Anschlag in etwas Grosses und Schweres sinkt. Und seit dem ich auf geflochtene Hauptschnur gewechselt habe, kommt dieses Gefuehl natuerlich noch besser durch. Sofort war mein Gegner wach und raste los. Hier hin und dahin, nicht allzuweit weg diesmal, aber in ploetzlichen, abrupten und brutalen Kurzsprints. Staendig musste ich von Rolle bedienen und Rolle loslassen hin und herwechseln. Nach einigen Minuten zerrte ich dann einen schoenen 79 cm Chinook in den Kescher. Der war sicher auch seine 17-18 Pfund schwer. Gluecklich packten wir auch den in die Kiste. So langsam begann ich zu rechnen wann wir genug Beute haetten. Einer oder zwei Grosse vielleicht noch aber dann war Schluss. Vielleicht noch einen oder zwei Cohos wenn sie markiert waren und vielleicht schon bluteten. Ansonsten nur noch Butt. Ich haette vor dem Tripp nie gedacht das ich mal so rechnen wuerde. Alles richtig gemacht!


    Wir drehten noch eine Runde durch die Bucht am Strand und dann versuchte ich zur Scharkante zum tiefen Wasser zu kommen. Das war eine gute Schleppstrecke auf der man mit Blinker oder Squidimitat am Grund geschleppt Chinooks aber auch regelmaessig Butt kriegen kann. Aber sobald wir die Bootsnase aus der etwas geschuetzten Bucht und vor die vorgelagerten Klippen steckten, kamen wir voll in die Duenung und in den Wellengang rein. Alex fing auf der Strecke noch einen Coho und einen mittleren Chinook bis er sich dann elend fuehlte und ich abdrehte. Wir schleppten noch eine Strecke mit den Wellen Richtung Leuchtturm aber es tat sich hier nichts mehr. Schade, mit etwas mehr Zeit haetten wir sicher hier einen oder mehrere Heilbutte gekriegt. Aber so hatte das keinen Zweck. Hinter dem Leuchtturm packten wir die Lachsruten weg und hielten nochmal an der Snapper-Untiefe zum Pilken an. Aber nach 3 Snappern, einer davon war schon um die 60 cm lang, machten wir Schluss hier. Wir fuhren nun doch erstmal zum Resort zurueck weil ich die beiden Lachse ausnehmen und auf Eis legen wollte bevor wir zum Fluss fuhren. Die beiden Lachse waren mit 20 cm grossen Squids nur so vollgestopft. Hatte ich richtig vermutet mit den Echosignalen in der Bucht am Strand. Eine neue populaere Lachsfangmethode ist mittlerweile das Mooching mit lebendigen oder toten Squids an einer Posenmontage. Aber dafuer brauch man sehr ruhiges Wasser. Waere schon cool das mal zu probieren!


    Auf dem Rueckweg kamen wir an einer Ansammlung von Seeottern vorbei. Da mussten wir anhalten und uns diese niedlichen Tiere laenger ansehen. Ich hatte vor kurzem einen herrlichen Imax Film ueber diese putzigen Tiere gesehen. Jetzt hier die Live-Version. Eine Mutter mit einem kleinen Fellknaeuel-Babyotter auf dem Bauch war auch dabei. Zum verlieben!


    Dann fuhren wir die halbe Stunde zum Moutcha Bay Resort und wanderten mit Spinnausruestung und etwas Verpflegung den Fluss hoch. Es war heiss und die Sonne donnerte auf uns runter waehrend wir die Strasse entlang liefen. Nach paar Kilometern kam die Lachsbrutstation und da konnte man zum Fluss runter. Wir fanden den Fluss extrem niedrig. Das war erstaunlich denn wir waren frueher hier als jedes andere Jahr zuvor und immer war der Fluss noch wasserreicher gewesen. Aber das passt mit den Nachrichten wo es immer hiess das die Schneedecke in den Gebirgen von Sued-BC diesen Winter besondern duenn war und so die Fluesse und Baeche wenig Schmelzwasser abbekamen. Ein grosses Problem fuer die hiessigen Lachsgewaesser. Und hier deutlich zu sehen. Und auch die Forellen bekamen das zu spueren. Wir wussten das im Conuma River in einigen tiefen Gumpen sehr grosse Regenbogenforellen lebten, solange genug Wasser da war. Das waren speziell angepasste Forellen – keine Steelheads die sowieso ins Meer abwanderten, aber aehnlich grosse Raubforellen die im Hochsommer wenn der Conuma stark zusammenschrumpfte ins Muendungsgebiet, ins Brackwasser, abwanderten. Aber das war sonst immer erst im Juli/August gewesen. Jetzt waren sie schon Mitte Juni weg wie wir feststellten. Wir fischten ein paar der vielversprechenden Stellen aber bis auf eine kleine Forelle war da nichts mehr drin. War trotzdem ein bildschoener Fluss und ein herrlicher Ausflug.


    Auch mal gut sich die Beine zu vertreten nach so viel Zeit auf dem Boot. Bei der Rueckkehr zu Moutcha Bay kehrten wir in deren Restaurant ein und hauten uns die Maegen voll. Wirklich exzellente Kueche mitten in der Wildnis. Ich tankte dann noch das Boot auf und dann fuhren wir wieder nach Critter Cove, unsere schwimmende Wahlheimat. Das war der 3. Tag. Einen vollen Tag hatten wir noch.


  • 18.6. 2026; Nootka Sound, Tag 4


    Am vierten Tag wurden die Ablaeufe am Boot und Resort schon fast zur Routine. 5 Uhr aufstehen, fruehstuecken, einer der Jungs machte die Fress-und Saufkiste fertig, ich das Boot startklar, Kuehlakkus in die Fischkiste, Fischreste fuer Fetzenkoeder und gluecklicherweise ein Check der Mono-Topshotschnuere vor den geflochtenen Hauptschnueren denn da stellte sich heraus, dass wohl bei einem Drill das Mono irgendwo kraeftig an einem Felsen oder sonstwas gerieben haben musste, denn die Schnur war am Ende und haette keinen Fischdrill mehr geschafft. Nur nicht faul werden!


    Dann ging es wieder los. Wieder wollten wir ein paar Runden vor der offenen Kueste probieren. Vielleicht waren die Squids noch in der Bucht am Strand mit den grossen Lachse hinterher. Unsere Nachbarn hatten gestern wieder ziemlich gut ganz tief im Fjord gefangen; sogar bei San Carlos Point, was buchstaeblich gegenueber unserem Resort war. Unglaublich! Sie hatten praktisch ihr Lachslimit und hatten sich nach Buttchancen erkundigt. Ich hatte ihn als naheste Option die Kante vor dem Leuchtturm und den Klippen vorgeschlagen und gesagt, dass ich das heute morgen auch gerne noch mal probieren wuerde, wenn der Wind und Wellen es zulassen wuerden. Vielleicht sieht man sich ja da draussen. Wir waren schon vor ihnen los heute.


    Am Leuchturm angekommen, Alex wieder in der Koje am schlafen, schauten Ricardo und ich uns an – die Bucht muesste machbar sein. Und so bogen wir durch die unruhige See am Leuchtturm in die ruhigere Bucht am Strand ein. Hier liess es sich aushalten. Schnell waren die erprobten Koeder in den typischen Tiefen drin und wir begannen Runden durch die Bucht zu drehen. Aber heute war das Leben hier verschwunden. Keine Squids mehr auf dem Schirm und es kam auch kein Biss. Wir fischten nun einen Koeder hart am Grund und das brachte wenig erstaunlich einen halbstarken Lingcod aus seinem Versteck. Aber lachsmaessig ging nichts. Nach 2 Stunden schielte ich weiter hinaus wo einige Boote zwischen den Felsinselchen und auch noch weiter draussen am Dropoff fischten. Sah gar nicht so rauh aus von hier und so zog ich uns aus der Bucht raus. Leider merkte man sehr schnell wieviel der Schutz der Felsenklipppen in der Bucht ausmachte denn ploetzlich kaempften wir uns gegen die 1.5m Duenung mit noch etwas Windwellen darueber an. Das Geschuettel weckte nun auch Alex auf und er kam etwas gruen im Gesicht hervor. Immer schoen auf den Horizont gucken!


    Gluecklicherweise kamen jetzt aber aber auch Bisse an beiden Ruten die Alex abgelenkt und beschaeftigt hielten. Es war hier wohl ein Schwarm mittlerer Chinooks am Rauben. Wir fingen ruckzuck 2 oder 3 Chinooks in der 8-12 Pfundklasse. Auch ein feiner Coho kam noch dazu und weil der markiert war und auch etwas blutete, wurde der behalten. Die Chinooks wurden alle noch im Wasser abgehakt. Einen Grossen wuerde ich noch mitnehmen, zum Beizen, aber sonst kam nur noch Butt in Frage. An der Kante angekommen, schickten wir beide Koeder in Grundnaehe und wir schleppten weiterhin gegen die Wellen an der Kante entlang. Es war nur eine Frage der Zeit bis wir so einen Butt erwischen wuerden, dachte ich. Aber es war haesslich hier draussen und Alex fuehlte sich nicht wohl, das sahen wir. Er hielt es gerade noch so zusammen aber ich weiss wie elend man sich so fuehlt. Und so drehte ich ab und wir surften nun mit den Wellen die Kante zum Leuchtturm hin. Das fuehlte sich etwas besser an. Alex konnte so noch etwas durchhalten. Vielleicht bis der Buttbiss kam. Ich wollte es jetzt erzwingen.


    Und ploetzlich loeste die Blinkerrute aus und etwas hing dran. Leider stellte sich schnell heraus das das kein Butt war sondern ein ziemlich sportlicher Coho. Ganz am Grund, da sieh einer an, das war auch nicht typisch. Cohos rauben normalerweise weiter oben in der Wassersaeule aber feste Regeln gibt es eben nie bei Fischen! Als wir die Kante bis zum Leuchtturm ohne weiteren Fischkontakt abgeschleppt hatten, mussten wir uns entscheiden was als Naechstes anstehen sollte. Wir entschieden uns die Pilkstellen noch mal anzusteuern. Vielleicht, vielleicht klappte es ja jetzt bei einer anderen Gezeitenkonstellation doch nochmal mit einem Buettchen. Die Stelle auf der anderen Seite des Fjordeingangs war allerdings unerreichbar. Die Duenung und Welle stand voll auf diese Fjordseite und nach der halben Fahrtstrecke brach ich ab weil es super ekelig wurde. So steuerte ich nochmal kurz die steile Uferkante an. aber auch dort drueckte der Wind enorm drauf und die Drift war einfach zu schnell. Nach dem Verlust eines Pilkers und dem beinah-Abriss eines weiteren gaben wir auch hier auf. Der Snapper-Berg war noch befischbar und Alex schlug tatsaechlich nochmal mit einem vielleicht 75 cm Ling zu. Auch ein oder zwei Snapper waren wieder interessiert und mussten den Hoch-und wieder Runterfahrstuhl mitmachen. Dann war es Zeit fuer Mittagspause am Resort. Wir wollten noch fein was kochen und ich hatte noch einen Fisch zu versorgen und eine Menge Salzspray von den Bootsscheiben zu reinigen. Dafuer wollten wir heute Abend nochmal los und ein paar andere Stellen im Fjord, die unsere Nachbarn empfohlen hatten, versuchen. Auf dem Rueckweg begegneten wir noch kurz zwei Delfinen und wieder einer Gruppe von Ottern. Nur einen Wal hatten wir noch nicht gesichtet. Die sieht man meistens auch nur ausserhalb des Fjordes, allerdings hin und wieder kommen Buckelwale oder Orcas und selten auch mal Grauwale tiefer in den Fjord hinein.


  • 18.6. 2026; Nootka Sound, Tag 4 cont....


    Ein paar Stunden spaeter waren wir wieder gestaerkt und abenteuerlustig unterwegs. Diesmal fuhr ich die Beer-Can-Bay an. Klingt doch gut, oder? Ich hatte dort noch nie gefischt, aber es sind dort in den letzten Tagen gute Lachse gefangen worden. Die Bucht war sehr gross und ich suchte einen guten Anfangspunkt zum Schleppen. Ich wollte dicht am Ufer so in 30-40 m Tiefe probieren. Als wir so ziemlich dicht unter Land das Ufer langsam abfuhren um eine gute Startstelle oder vielleicht sogar ein Futterschwarm zu finden, sah ich ploetzlich einen Riesenschwall im Wasser; 50 m vor dem Boot ganz dicht am Ufer. Ich hielt sofort an und machte die Jungs darauf aufmerksam. Wir starrten zu der Stelle auf die ich zeigte. Es war nichts zu sehen. Hatte ich das nur getraeumt? Oder war da eine Klippe ganz dicht unter der Oberflaeche die nur hin und wieder bei einer Welle mal herausschwappte? Nein, da schwallte ploetzlich das Wasser wieder auf und der Ruecken eine Grauwals kam zum Vorschein. Er zog langsam am Ufer entlang und suchte wohl was Leckeres. Schoen, da hatten wir also doch noch einen Wal zu Gesicht bekommen und noch dazu einen nicht alltaeglichen Grauwal. Er machte aber nichts Spektakulaeres und zeigte uns nicht mal seine Schwanzflosse. Er trollte sich einfach langsam dahin. So liessen wir ihn auch in Ruhe und fuhren zum anderen Ende der Bucht und fingen dort an zu fischen.


    Ich war etwas skeptisch mit dieser unbekannten Stelle und es war auch kein anderes Boot in Sicht um uns etwas Vertrauen zu geben. Aber unser Glueck auf diesem Tripp liess uns auch hier nicht im Stich denn ploetzlich sprang Ricardo zu der einen Rute hin und war am Fisch. Es klappt aber auch ueberall wo wir einen Koeder reinhielten, verrueckt! Ricardo drillte einen mittleren Chinook von vielleicht 10 Pfund. Aber der verkaufte sich teuer und Ricardo hatte Spass! Als er ihn am Boot hatte, hakten wir ihn ganz schnell wieder ab. Einen Grossen wollte ich noch haben und der Rest war nur noch zum Spass. Wir schleppten weiter das Ufer entlang und kamen an eine sehr riffige Gegend. Hier war ein regelrechtes Unterwassergebirge und es ging hoch und runter und wir mussten auf der Hut sein unsere Koeder und Downriggergewichte nicht irgendwo festzusetzen. Bisse kamen hier aber keine. Irgendwann schlug ich einfach mal vor hier ein bisschen zu pilken statt zu schleppen. Die Jungs fanden die Idee gut und so bauten wir kurz um.


    Ich fuhr uns mitten rein in die Berge und Taeler wo es von 10 m bis zu 50 m Tiefe innerhalb eines kleinen Radiuses alles gab. Hier musste es doch Felsenbarsche und Lings geben! Wir pilkten diesmal zu dritt und liessen den Motor ganz aus. Erstaunlicherweise kamen aber fast keine Bisse. Wir fingen nur 2 kleine Barsche und keine Lings. Dafuer holte aber Alexander in der Seegurkenwertung gut auf und nach vielem Laestern bekam ich schliesslich auch noch eine. Komisch, hier hatte ich mit mehr gerechnet. Dann packten wir wieder ein und ich fuhr uns mal auf die andere Fjordseite zum Coopte Point und Hoiss Point, wo ich mich Tobias und seinem Vater letztes Jahr noch oefter geangelt hatte wenn der Wind bliess. Heute kam der Wind aber genau das Tahsis Inlet runter und machte diese Fjordseite sehr ruckelig. Wir schleppten ein wenig oestlich davon hinter dem Windschutz der hohen Uferfelsen aber fanden hier keine Abnehmer fuer unsere Koeder. Es ging schon dem Sonnenuntergang zu und der Wind legte sich jetzt merklich. Eine Stelle wollte ich noch probieren; San Carlos mit dem kleinen Leuchtturm. Dort hatte Alexander vor vielen Jahren als Kind mal mit seinem Freund Owen einen fetten Ling gepilkt. Vielleicht war an dem Leuchturm-Riff ja ein Nachfolger eingezogen.


    So fuhr ich uns wieder zur anderen Fjordseite und setzte uns vielleicht einen Kilometer westlich vom San Carlos Point direkt vor das steil abfallende Ufer und von hier aus wollten wir die letzten 20 Minuten noch bis San Carlos schleppen um dann den Tag mit dem letzten Pilkversuch zu beenden. Um wieder so die 40m Tiefenlinie entlang zu schleppen, musste man sehr nah am Ufer entlang fahren. Manchmal musste man regelrecht aufpassen das die Rute auf der Uferseite sich nicht in ueberhaengenden Aesten verfing. Wir genossen die Abendstimmung und dachten schon darueber nach ob wir nicht noch vom Boot mal ins ziemlich warme Wasser hier springen sollten. Die Bordleiter hatte ich mit. Da zog ploetzlich die Rute vor Alex ab und er war gleich in einen sportlichen Drill verwickelt. Ricardo war noch fasziniert wie sein Bruder drillte und ich musste ihn ermahnen das auch die zweite Rute losruckte. Doppeldrill! Gibt’s ja nicht!


    Es waren keine Riesenfische aber beides Chinooks, wieder so an die knapp 10 Pfund schaetzte ich. Wir liessen beide wieder frei. Noch ein Fehlbiss kam gleich wieder hinterher und dann war erstmal wieder Ruhe. Und so zirkelte ich nochmal zurueck zu der vorherigen Bissstelle. Wir waren wirklich nur noch Meter davon entfernt, da wurde die Rute vor Alex brutal runtergezogen. Ich hatte fast Angst der Rutenhalter wuerde brechen bis Alex endlich die Rute raus hatte und die Bremse etwas lockerte. Und dieser Fisch war wohl unter Drogen und legte eine olympiareife Flucht hin. Wow! Ricardo und ich raeumten schnell das Deck und machten alles fuer einen hindernissfreien Drill fuer Alex. Der gewann inzwischen etwas Schnur zurueck. Die Rute war voll gebogen – das war ein grosser Kerl. Alex mag es nicht wenn ich waehrend des Drills von moeglichen Rekordgroessen seiner Widersacher redete und so machte ich es eben extra. Waehrend er hochkonzentriert den Lachs drillte, schwafelte ich ihm was von dem groessten Fisch des Trips ins Ohr, vielleicht sogar ein seltener Tyee (Chinooks > 30 Pfund). Auf jeden Fall ein Monsterfisch! Alex schuettelte nur ablehnend den Kopf; Ricardo machte sich fast in die Hose vor Lachen.


    Aber im Ernst, das sah nach einem Grosslachs aus. Er blieb jetzt tief und man konnte seine wuchtigen Kopfstoesse an der Rutenbewegung sehen. Alex gab sich Muehe die Rutenspitze schoen hochzuhalten damit die Rutenaktion diese ruckartigen Bewegungen gut abfedern konnte. Mit der Geflochtenen war die Kraftuebertragung noch viel direkter. Nach und nach kam der Fisch naeher. Die erste lange Flucht hatte ihm viel Kraft gekostet und er war jetzt muede. Ich mag es wenn sich Lachse schnell mit langen Fluchten austoben anstatt gruen zum Boot zu kommen und dann allerlei Bloedsinn am Boot treiben. Wir sahen den Lachs bald zum ersten Mal und natuerlich waren meine Kommentare wieder uebertrieben. Aber letztlich passte der schoene Lachs doch in den Kescher und alles war gut! Wir yahooten laut auf und klatschten uns ab und beglueckwuenschten Alex zu diesem tollen Fisch. Jetzt hatte auch er seinen UE 20 Pfund Lachs auf diesem Trip gekriegt. 86 cm lang und gut im Futter. Der ging noch mit in die Kiste, als Letzter der noch passte. Wow, was fuer ein Fisch und hier am San Carlos Point, praktisch in der Mitte des Nootka Fjordes, Mitte Juni. Das war krass und so unerwartet. Der Blinker war total verbogen und verdreht nach diesem Drill. Da kann man mal sehen was da fuer Kraefte wirken. Wir packten die Lachsruten gleich weg und machten noch 2 Driften ueber das kleine vormalige Ling-Riff am Leuchtturm. Es war aber zumindest heute Abend keiner zu Hause. Zum Abschluss sprangen Ricardo und ich noch kurz ins Wasser und schwammen einmal um’s Boot herum. Eine herrliche Abkuehlung nach einem wieder heissen Fangtag! Zurueck am Resort fingen wir schon mit dem Packen an und verabschiedeten uns von den Nachbarn, die morgen schon um 4 Uhr frueh zurueck nach Gold River booten wollten. Zwischen 10 und 13 Uhr war wieder zu wenig Wasser im Fluss um zur Bootsrampe durchzukommen und so wollten sie vorher durch sein. Wir planten noch ein Morgenangeln so bis 11 Uhr vielleicht und dann Boot packen und gegen 14 Uhr an der Slippe zu sein. Und wir wollten nicht so frueh aufstehen damit der Fahrer nicht uebermuedet war. Danke Jungs!


  • 19.6. 2026; Nootka Sound, Tag 5


    7 Uhr Aufstehen fuehlte sich wie Urlaub an. Ein schnelles Fruehstueck und dann wurde das Zimmer geraeumt und der ganze Krempel vor die Suite auf die Terasse gestellt. So konnten wir nochmal fuer paar Stunden ohne Gepaeck zum Angeln fahren. Wir schauten uns nochmal die Bedingungen am Friendly Cove Leuchtturm an der Fjordmuendung an und es sah gar nicht uebel aus. Wir drehten 2 Runden in der Bucht am Strand aber dort war kein Lachs zuhause oder hatte Hunger. Und so schlug ich Pilken in den Felsklippen vor der Kueste hier vor. Dort konnte man ruhige Stellen finden und dort sollten sich allerlei Felsenbarscharten und Lings tummeln. Die Jungs waren voll einverstanden. Pilkangeln war bei ihnen schon seit der Kindheit Lieblingsdisziplin. Behalten wollten wir davon eigentlich nichts mehr.


    Das C&R liess sich in den flachen Gefilden der Klippen auch gut praktizieren denn bei Tiefen bis so um die 30 m bestand kaum ein Risiko fuer Barotrauma der Fische. Die Lings erleiden uebrigens kein Barotrauma und koennen problemlos, auch wenn in grossen Tiefen gefangen, wieder freigelassen werden. Und so suchte ich mir ein paar vielversprechende Stellen auf dem Plotter raus und fuhr sie an. Ich gab Signal zum Ablassen und beide Jungs schickten ihre Pilker mit Fischfetzen zum Grund. Einmal angepilkt und beide Ruten waren krumm. Die Jungs strahlten uebers ganze Gesicht – wie Kinder im Spielzeugladen! Beide hatten einen vielleicht gerade massigen Ling am Haken. Die wurden schnell wieder abgehakt und die Pilker wieder runtergeschickt. Auch diesmal dauerte es nur Sekunden bis beide Ruten wieder besetzt waren. Diesmal hatte Alex einen grossen Greenling, einen Cousin des Lings, am Haken und Ricardo wieder einen kleineren Ling. Auch das dritte Herablassen brachte schnell wieder Action und zwei weitere Lings. Hier haette man sehr schnell sein Limit an kleineren bis mittleren Lings fuellen koennen. Das wird dann im August anders aussehen, wenn hier Tag fuer Tag etliche Angler durchgehen.


    Als wir im sandigen Gebiet angekommen waren, hoerten die Bisse auf einmal auf. Ich setzte das Boot nochmal um und wir drifteten wieder ueber die selbe felsige Untiefe und auch wenn die Driftlinie diesmal etwas anders verlief, kamen schnell wieder Bisse. Die Jungs hatten einen Heidenspass an dieser Angelei und man wusste nie was anbiss. Wir zaehlten die Fischarten nach und wollten alle bekannten Fischarten erwischen. Da kam ein Kupferfelsenbarsch, dann mal ein Quillback-Felsenbarsch, immer wieder kleinere Lings. Alex wollte unbedingt noch einen Schwarzen Felsenbarsch und einen China-Felsenbarsch sehen. Ich haette gerne zum ersten Mal ueberhaupt einen Tiger-Barsch gesehen, aber die sind auch hier sehr selten.


    Wir fuhren noch 2 andere Stellen an und tatsaechlich fing Alex noch den Schwarzen, und zwar einen grossen. Den nahm ich sogar nochmal mit da ich gestern gesehen hatte, dass ein kleineres Filet noch in die Gefriertruhe passen wuerde. Die Felsenbarsche sind meine Favouriten fuer Ceviche. Ricardo liess sich nicht lumpen und machten seinem Namen wieder alle Ehre und fing seine obligatorische Seegurke die ihm auch wieder die Fuehrung in dieser Kategorie einbrachte. Und wirklich auf den letzten Druecker holte er doch tatsaechlich noch den China-Barsch, wegen den schwarz-gelben Farben auch BVB Barsch genannt, herauf. Das war ja wirklich wieder das volle Sortiment gewesen. Hatte allen viel Spass gemacht. Allerdings war kein richtig grosser Ling dabei gewesen. Das versuchten wir dann nochmal an dem Snapper-Berg als wir uns schon auf dem Rueckweg befanden. Die Snapper hatten aber auch wieder Hunger und als mir einer aus dem Herunterlassgeraet ausversehen herausglitt und ein Adler sich den sofort schnappte, machten wir hier Schluss.


    Wir wollten noch einmal kurz an unserer so ueberaus erfolgreiche Lachsbucht der ersten Tage anhalten und uns dankend verabschieden. Wir schleppten noch einmal die Flashfly und den Blinker durch die Bucht und was soll ich sagen, als ich im hinteren Ende zur scharfen Drehung ansetzte, loeste die eine Rute hart aus und Alex legte sich schon wieder mit einem sportlichen Lachs an. Er nahm Schnur und Ricardo holte die zweite Rute ein und dann genossen wir den letzten Drill. Endlich zerrte Alex einen etwa 14 pfuendigen Chinook ans Boot und ich hakte ihn zerimoniell ab. “Das war’s Jungs!”, sagte ich. Ein herrlicher Trip ging zu Ende. Wir konnten die Fischtruhe kaum zu zweit ins Boot tragen, zurueck im Resort. Ich schnitt noch schnell den schwarzen Felsenbarsch aus den Schuppen und holte alle auf Eis gelagerten Fische in unsere Kuehltruhe waehrend die Jungs das Boot bepackten. Und dann ging es auf die fast einstuendige Fahrt durch den Nootka Sound zurueck nach Gold River. Unterwegs sahen wir ploetzlich ein dunkles, grosses Schlauchboot auftauchen – Fischereiaufseher! Und sie drehten tatsaechlich auf uns zu und ich hielt an. Ein Officer kam an Bord und checkte unsere Lizenzen, wollte unsere Kuehlttruhe sehen und einen fertigen Lachskoeder zur Schonhakenkontrolle. Alles in Ordnung, und weiter ging es. Freundlich aber bestimmt die Truppe. Es lohnt sich nicht hier zu betruegen – das wird auch teuer. Alles lief glatt und problemlos auf der Heimfahrt. In Campbell River machten wir Essenspause im Restaurant und holten uns gleichmal die ganzen verpassten Fussballergebnisse rein. Und in Nanaimo hielten wir natuerlich noch im BassPro Shop an um den verlorenen Pilker zu ersetzen und noch einmal Anglertraeume zu fuehlen bevor der Alltag wieder ueber uns einschlug. Diese Tour werde ich nie vergessen und immer in mir mit mir tragen.


  • Algen können das Lachsangeln echt vermiesen, man merkt richtig, wie schnell sich alles ändern kann. Ich habe auch schon beobachtet, dass warmes Wasser das Verhalten stört, ähnlich wie bei unseren Forellen hier. Da muss man seine Taktik oft anpassen, sonst wird's frustrierend. Einmal musste ich sogar meinen Spot wegen Algenblüte wechseln, und plötzlich lief es viel besser. Die Natur ist unberechenbar, aber gerade das macht das Angeln so spannend. Um die Angelausrüstung oder den Bootsschlüssel nach so einem Tag nicht zu verlieren, hilft ein gravierter schlüsselanhänger als persönliches accessoires total gut.

  • 25.7. 2026, Sooke


    Schon ein paar Wochen her das ich das letzte Mal auf dem Waser war. So langsam kommt mein zweiter Trip zur Westkueste, zum Barkley Sound (Bamfield) Mitte August, naeher und ich musste mal mit Ian, einer meiner beiden Mitfahrer, die Details besprechen. Ich hatte Ian schon ewig nicht mehr gesehen; geschweige denn mit ihm geangelt. Er ist auch schwer zu kriegen denn er arbeitet meistens Nachtschichten und Wochenenden. Aber am vergangenen Sonntag passte es endlich mal. Aber was wollten wir beangeln? Chinook ist noch geschlossen hier vor der Suedinsel. Ein paar Cohos sollten herumschwirren, aber nicht in grossen Mengen. Die erhofften Sockeye hatten sich noch nicht sehen gelassen und bleiben auch noch geschlossen bis tatsaechlich eine grosse Menge auftaucht. Fuer Heilbutt passten die Gezeiten nicht. Ich schlug vor noerdlich bis nach Nanaimo zu fahren wo man wenigstens einen Chinook pro Lizenz und Tag behalten durfte. Aber da sah es sehr windig aus, wie mir mein Sohn spaeter lebhaft bestaetigte.


    Und so entschieden wir uns fuer einen mehr-oder-weniger catch and release Tag vor Sooke. Wir wollten unsere Krabbenfallen mal im hinteren Teil des Sooke Fjordes auslegen und dann vor Sooke den Lachsen nachstellen. Vielleicht fanden wir ja einen Schwarm von Cohos – hoffentlich mit vielen Markierten. Und wenn dann hin und wieder mal ein grosser Chinook zuschnappte und unser Angelgeraet und Drillgeschick testete – auch gut. Wir wuerden nur mit Einzelschonhaken fischen um Chinooks moeglichst schonend wieder freizulassen.


    Wir mussten frueh los denn der Niedrigstand der Ebbe war kurz nach halb 8. And der Sunny Shores Marina Rampe kamen wir gerade noch rechtzeitig vom Dock bevor das Wasser dort zu niedrig wurde. Wir liessen ruckzuck unsere zwei Krabbenfallen ein – Ian hatte Huenchenreste als Koeder dabei. Mal sehen wie das im Vergleich zu meinen Fischresten abschnitt. Dann duesten wir zum Otter Point. Normalerweise wuerde man hier mitten im Sommer und damit der Lachshochsaison an einem windstillen Wochenendtag etliche Angelboote erwarten. Doch leider verdarben die Fangbeschraenkungen vielen lokalen Anglern die Lust am angeln. Das wird auch die lokale Wirtschaft sehr zu spueren bekommen. Viele Guides sind an die Westkueste der Insel abgewandert wo sie noch Touristen an den Lachs bringen durften. Schade, vorallem wenn man weiss dass vieles davon nur Politik und nicht wirklich Bestandsschutz ist.


    Wir setzten zwei Ruten an den Downriggern ein und schleppten dicht unter Land am Otter Point entlang. 3 andere Boote waren in der Naehe. Ich hatte eine Flashfly als Koeder dran; Ian fischte mit einem schlanken Blinker. Wir hatten viel nachzuholen und haetten fast den ersten Biss verquatscht. Meine Rute riss schon bedenklich nach hinten und die Rolle aechzte auf. Das war ein guter Fisch! Und er nahm auch gleich eine Menge Schnur. In vergangenen Jahren haette ich mich jetzt um 30 andere Boote um uns herum sorgen muessen aber heute konnte ich den Lachs in aller Ruhe mitten in diesem Hot Spot ausdrillen. Ein wirklich sportlicher Fisch der lange dagegenhielt. Endlich brachte ich den vielleicht 17 pfuendigen Chinook neben das Boot wo Ian einfach den Einzelhaken mit der Zange aushebelte. Sofort schoss der Glueckliche wieder in die Tiefe. Das hatte Spass gemacht.


    Jetzt passten wir ein bisschen besser auf und 15 Minuten spaeter zog wieder meine Rute ab. Die Flashfly war wohl heute stark begehrt! Wieder ein Chinook, ein bisschen kleiner als der vorherige. Wir sahen auch die anderen Boote hin und wieder drillen – es war wohl eine gute Anzahl Lachs hier vor Ort. Wir hofften, dass auch einige Cohos dazukamen. Einmal ruckelte es auch an Ians Rute und er brachte einen Shaker, einen untermassigen Mini-Coho an’s Boot. Richtige Art, falsche Groesse! Dann wurde es ruhig. Ich versuchte viel tiefer; Ian ganz flach. Ich verpasste noch einen Biss aber ansonsten war wohl erstmal die Beisszeit vorbei. Wir beschlossen weiter zum Muir Creek zu schleppen. Das brachte uns ueber tieferes Wasser und weiter draussen – wo oft groessere Cohoschulen umherjagten. Aber es gab keine weitere Action. Bald mussten wir die Ruten und Downrigger einholen denn ein kommerzieller Krabbenfischer hatte seine Fallen und Schnuere quer ueber das halbe Meer ausgelegt und ich wollte da ja nicht hineinfahren und Geraet zu verlieren.


    Direkt an der Muir Creek Muendung liessen wie wieder ein und schleppten an der Scharkante ueber 30-40m Tiefe entlang. Ian wieder flach und ich tiefer. Und jetzt rappelte es richtig! Bei Ian fing es an und er hakte und drillte ruckzuck 3 Chinooks zwischen 10 und vielleicht 15 Pfund. Ich wechselte daraufhin auch auf einen Blinker. Und ich bekam auch promt einen brutalen Biss und hakte den bisher groessten Chinook von sicher knapp 20 Pfund. Ein feiner Drill spielte sich ab und schliesslich kam der Lachs kurz an’s Boot wo er wieder freigelassen wurde. Wir liessen alle Chinooks gleich im Wasser und ich schoss nur ein paar Bilder kurz vor dem Abhaken. Dann biss bei Ian etwas Kleineres und die Hoffnung wuchs, dass das endlich mal ein Coho war. Jupp, war es und dazu noch ein Markierter – wenn auch nicht sehr gross, aber der ging gerne mit. Jetzt drehten wir eifrig Runden um diese Stelle und bald hatte auch ich einen cohoverdaechtigen Fisch an der Leine. Ich drillte sehr vorsichtig um ihn nicht zu verlieren. Neben dem Boot bestaetigte sich die Hoffnung – markierter Coho. Ian griff zum Kescher und in diesem Moment machte der Bursche einen Schwall und setzte zum Sprung neben dem Boot an und das Geraet flog mir um die Ohren – weg!! Ahh, Mist, wir waren zu langsam gewesen.


    Ich fing danach noch einen mittleren Chinook und als wir schon einpacken wollten, bekam Ian noch einen harten Biss und ein mittelgrosser Lachs kaempfte sehr cohoaehnlich. Und wir hatten uns nicht getaeuscht – ein vielleicht 7 pfuendiger Coho tobte bald neben dem Boot und wir versuchten die Fettflosse zu identifizieren. Kescher in Hand war ich bereit den Fisch sofort zu keschern falls wir bestaetigen konnten, dass keine Fettflosse dran war. Ich meinte er waere gut und wollte schon zugreifen als wir dann beide deutlich die Fettflosse sahen – arrgg, unmarkiert! Der durfte auch wieder schwimmen. So blieb es bei einem kleinen Keeper trotz einer Anzahl von Bissen und Drills.


    Die Krabbenfallen hatten gefangen – besonders Ians. Also Huehnchenfleisch schien besser zu funktionieren als Fisch. Allerdings waren alle zu klein oder weiblich. Also nicht der Tag um die Familie ueber den Winter zu bringen aber trotzdem ein feiner Angeltag in windstillen Bedingungen. Und Ian und ich hatten viele Details unseres anstehenden Angeltrips nach Bamfield bequatscht. Wir freuten uns schon sehr darauf.


  • 3.8. 2026, Sooke


    Langes Augustwochenende, Montag war Feiertag, da sollte doch ein Angeltrip drin sein! War aber windig bis zum Montag. Dachte schon ich muesste solo raus aber mein Sohn Alex hatte ausnahmsweise auch mal dienstfrei und freute sich auf einen Lachstrip. Man haette auch mal Heilbutt probieren koennen, da die Gezeiten relativ gemaessigt waren, aber Alex wollte lieber Lachsaction.


    Wir wollten ziemlich frueh los denn ich wollte an der Sooke Prestige Bootsrampe einlassen und dort gibt es nur etwa 20 Anhaengerparkplaetze und ich erwartete viel Betrieb. Seit 1. August konnte man nun endlich auch wieder einen Chinook vor der Suedinsel behalten – wenn auch nur bis 75 cm Laenge. Und einige Cohosschwaerme sollten sich vor Sooke herumtreiben. Das wuerde die lokale Anglerschaft auf’s Wasser ziehen!


    Wir waren um 7:30 Uhr an der Rampe und ich bekam doch tatsaechlich den letzten der grossen Anhaengerplaetze. Glueck gehabt! Dann duesten wir den kurzen Weg aus dem Sooke Fjord heraus und dann Richtung Westen. Wir sahen viele Boote schon die bekannten Stellen vor dem Sooke Harbour und Secretary Island bearbeiten. Ich wollte weit nach Westen um von der Flotte wegzukommen. Am Otter Point war auch ne Menge los und wir fuhren gleich weiter und hielten erst nach insgesamt 20 Minuten bei Muir Creek an. Auch hier waren vielleicht 10 andere Angelboote unterwegs aber die verteilten sich gut. Als eingespieltes Team hatten Alex und ich ruckzuck zwei Ruten im Wasser und wir schleppten Richtung Scharkante vor der Muir Creek Muendung. Wir waren noch nicht mal richtig an der angestrebten Stelle da riss die Blinkerrute aus dem Downriggerclip. Fish On! Alex drillte einen ordentllichen Fisch und wir schauten gespannt ins Wasser was da wohl in Sicht kaeme.


    Ein blaeulicher Schein am Ruecken und ein paar beherzte Spruenge in Bootsnaehe gaben den Coho her. Hoffentlich war er markiert! Als der Fisch sich etwas beruhigte, brachte Alex ihn dicht an’s Boot und…. keine Fettflosse! Schwupps, kescherte ich ihn ins Boot. Klasse, erster Keeper! Ein guter vielleicht 6 pfuendiger Coho. So kann’s weitergehen. Ich drehte eine Schleife zurueck zur Bisstelle und tatsaechlich wieder die Blinkerrute mit dem Koeder in 27m Tiefe. Diesmal schnappte ich mir die Rute und genoss einen feinen Drill. Wieder war ein Coho zu vermuten und als ich den Fisch zum Boot zerrte und wir ihn uns beschauten, fanden wir auch diesen markiert. Und ein feiner Kerl von vielleicht 7 Pfund noch dazu. Auch der ging mit. Wow. Innerhalb von 15 Minuten hatten wir schon 2 feine Cohos an Bord. Wenn mir einer das als die Tagesbeute fuer den ganzen Tag vorhergesagt haette, haette ich mich schon gefreut.


    Ein paar andere Boote hatten uns wohl beobachtet und kamen nun dicht um uns und unsere Fangstelle herum. Wir fuhren etwas weiter Richtung Scharkante und kamen in ziemlich flaches Wasser ab. Waehrend wir schnell unsere Downriggertiefen anpassten, ruckte schon wieder die Blinkerrute los. Diesmal ein kleiner Shaker. Und dann noch einer und noch einer. Hier im flachen ueber 15 m Wassertiefe war wohl nur die Kinderstube unterwegs. Ich zog uns ueber die Kante wo der Boden schnell wieder auf ueber 30m abfiel. Und genau an der Kante riss es ploetzlich sehr hart an der Blinkerrute. Ich schnappte mir die Rute noch vor Alex und war am Fisch. Der nahm gleichmal ein Stueck Schnur. Also wenn das ein Coho ist, dann ein richtiger Brocken, meinte ich zu Alex. Wahrscheinlich war es eher ein Chinook. Hoffentlich kein zu grosser. 75 cm sind schnell ueberschritten bei reifen Chinooks. Aber der koennte passen; er wollte immer wieder abziehen aber konnte irgendwie nicht richtig weit.


    Alex holte mal vorsichtshalber auch die zweite Rute rein und machte das Deck frei zur Landung. Bald hatte ich meinen Widersacher am Boot. Ein mittlerer Chinook tauchte auf. Der koennte passen! Als er in Reichweite war, sackte Alex ihn ein. Etwa 70 cm, passt! Die Fischkiste fuellte sich und ich fantasierte schon von einer vollen Raeuchertonne wenn das so weiter ging. Zunaechst wechselte ich mal den Koeder an der bisher unberuehrten Rute gegen einen aehnlich aussehenden Blinker aus. Und das war wohl der Trick denn sofort hatte Alex damit Fischkontakt. Diesmal ein guter aber unmarkierter Coho der wieder in die Tiefe sausste. Dann kamen ruckzuck noch ein paar kleinere Shaker – ein Mix aus untermassigen Coho und Chinook – an die Koeder. Es war non-stop Action und wir hatten die ersten anderthalb Stunden kaum mal Zeit zum Hinsetzen gehabt. Ich fuhr uns jetzt die Kante weiter westlich wo kaum noch Boote unterwegs waren. Ploetzlich riss wieder die Backbordrute brutal nach hinten. Ich hatte fast Angst der Rutenhalter koennte abbrechen bis ich da war.


    Der Fisch nahm gleich ordentlich Schnur. Das war Grosschinook! Gluecklicherweise war kein anderes Boot in der Naehe und ich konnte den Fisch in Ruhe drillen. Alex drehte den Schleppmotor auf Standgas und holte die zweite Rute ein und filmte meinen Drill. Machte richtig Spass auch wenn ich wusste, dass der wohl wieder schwimmen durfte. Ein schoener Teenager tauchte hinter dem Boot auf. Ein herrlicher Moment wenn erst ein silberner Schatten noch tief unten erschien und dann der breite Nacken und die erboste Schnautze eines grossen Chinooks sichtbar wurde. Der hatte vielleicht 17-18 Pfund und war sicher um die 80 cm lang. Ich wollte ihn nicht keschern sondern nur kurz handlanden. Nach 2 oder 3 Fehlversuchen hatte ich ihn und hob ihn mal paar Sekunden fuer ein Foto aus dem Wasser. Dann schoss er wieder in die Tiefe.


    Dann legte sich doch tatseachlich mal etwas wie Ruhe ueber das Boot und wir bekamen mal Zeit uns um die Fresskiste, die Alex wieder liebevoll zusammengestellt hatte, zu kuemmern. Ein paar Shaker hielten uns aber immer noch aufmerksam. Irgendwann drehte ich dann um und wir schleppten wieder nach Osten wo sie die anderen Boote tummelten. Und wir sahen dann auch Action auf den anderen Booten. Es war am Morgen sehr windstill gewesen und es hatten sich sogar einige Kayakangler und auch andere Miniboote hier herausgewagt. Einer im Kayak drillte einen guten Fisch der ihn buchstaeblich hin und herschleppte. War etwas unberechenbar und so hielten wir Abstand. In diesem Moment riss auch wieder eine underer Ruten vom Clip los und rappelte hart. Alex war schnell dabei und in einen feinen Drill verwickelt. Ein mittlerer Chinook tauchte auf – definitiv unter 75 cm. Der kam auch in die Fischkiste. Damit hatten wir unser Chinook-Tageslimit. Noch 2 markierte Cohos und wir waeren ausgemaxed.


    Auf dem Weg vom Muir Creek zum Otter Point fanden wir erst riesige Futterwolken am Sonar und dahinter wieder einen Cohoschwarm. Die ersten beiden waren noch unmarkiert aber dann hatte Alex einen Kleineren aber Markierten an der Leine. Nehmen wir auch mit, wenn auch mit knapp 50 cm eine Kleinversion. Es kam jetzt ein ziemlich steifer Suedostwind auf. Das war so gar nicht angesagte gewesen. Davor gab es hier vor Sooke ueberhaupt keinen Windschutz und es baute sich eine ruppige Welle auf. Die Kayaks und Kleinboote verschwanden jetzt sehr schnell und auch wir schauten uns besorgt an.


    Wir wollten schon beinah einpacken als nochmal eine der Rute losrappelte und ein quirrliger Fisch dranhing. Ich sagte noch zu Alex: “Pass auf, das wird unser letzter markierter Coho!” und so kam es wirklich! Alex zog einen schoenen fetten Coho neben das Boot und wir fanden keine Fettflosse. Schnell griff ich zum Kescher und sackte ihn ein. Wir klatschten uns strahlend ab. Was fuer eine Ziehung! Da lagen 6 schoene Lachse in der Kiste auf Eis. Danach packten wir auch zusammen und dampften langsam gegen den ungemuetlichen Wellengang zum Sooke Harbour zurueck.


    Was fuer ein toller und erfolgreicher Angeltag! Ja, die Fangbeschraenkungen hier vor der Suedinsel sind mittlerweile sehr nervend – vorallem weil auch teils unberechtigt und politisch motiviert. Im Gegensatz dazu war die Westseite der Insel noch grosszuegiger und ergiebiger und ich liebe auch die wilde Westkueste mit den tiefen Fjorden und schroffen Schaeren. Aber mal ehrlich, es ist so schoen hier vor unserer Haustuere, man fischt ufernah in geschuetzen Gewaessern, keine Duenung, alles gut erreichbar, es ist einfach und man kennt sich aus. Ein rauher Tag vor Sooke und Victoria waere immer noch ein ziemlich ruhiges Meer an der Westkueste. Und man kann trotzdem noch ne Menge behalten wie man heute gesehen hat. Das Grass scheint immer gruener auf der anderen Seite aber manchmal muss man auch einfach geniessen was man hat!


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