3.1. 2025; Victoria
Der angedachte Neujahrstagausflug hatte leider nicht geklappt, aber am 3.1. stand alles auf GO! Es war ordentlich Regen angesagt, aber kein Wind. Wegen der Regenvorhersage sagte dann auch mein Freund Dave ab – er wird alt und bequehm. Meine Jungs waren auch nicht verfuegbar. So fuhr ich eben alleine los. An der Slipanlage in Victoria angekommen, staunte ich nicht schlecht. Der Meerespiegel stand etwa 1m hoeher als ich es jemals gesehen hatte. War ein Tsunami im Gange? Ich traf meinen Bekannten Kris an der Rampe; er hatte sein Boot schon im Wasser und am Dock. Wie war er da nur da hingekommen? Er hatte hohe Gummistiefel an. Ich aber hatte nur knoechelhohe Bootsschuhe und da waren bestimmt 20 m Wasser zu ueberbruecken. Kris meinte die tiefste Stelle waere etwa 40 cm tief. Was solls? Es wuerde noch 2h dauern bis der Wasserstand runterkam und es sah schoen und fischig aus da draussen. Kris half mir das Boot zu slippen aber ich wollte ihn dann doch nicht fragen ob er mich Huckepack zum Dock tragen wuerde. Mit Dave haette ich das gemacht. Ich schmiss ein paar Stuecke Treibholz ins Wasser und versuchte mich dann schnell drueberwegzubalancieren. Das klappte aber nur etwas und ich tappte schliesslich doch wadentief ins Wasser und musste nun mit nassen Fuessen angeln.
Es stellte sich heraus, es war eine King-Tide – also Springflut – und gleichzeitig war Sturm auf dem offenen Pazifik gewesen der das Wasser gewaltig in die Juan de Fuca Strait hereingedrueckt hat. Ziemlich verrueckt!
Kris hatte die selbe Angelstelle angedacht; praktisch direkt vor Downtown Victoria. Von dort hatte es vielversprechende Berichte ueber die Feiertage gegeben. Es war schoen ruhiges Wasser heute und damit gute Bedingungen fuer eine Solotour. Schnell war ich am Ort und hatte zwei Ruten im Wasser. 3 oder 4 anderen Boote waren schon unterwegs und Kris gesellte sich auch dazu nachdem er seine zwei Krabbenfallen versenkt hatte. Und es blieb nicht lange ruhig und ich hatte kaum Zeit meine nassen Socken am Propanheizer zu trocknen. Ein Schwarm knapp untermassiger Chinooks war vor Ort und die rappelten regelmaessig an den Ruten. Ich hatte gut zu tun. Um diesen 40-45cm Kleinlachsen auszuweichen, schleppte ich in tieferes Wasser. Dort war Ruhe, aber eben auch Vollruhe. Nach einer Stunde, textete ich mal Kris an und er hatte einen schoenen 68 cm Lachs in der Box. Im Flacheren gefangen. Also, setzte ich meine naechste Bahn im Flacheren an.
Ein weiterer Kleinlachs kam dazu aber nichts weiter was auf einen Schwarm groesserer Fresslachse hingewiesen haette. Auch keine Futterwolken oder interessante Echosignale. Totes Meer. Bei Kris ging auch nichts mehr aber er war wohl geduldiger als ich. Ich sagte ihm, dass ich nach Westen an meine andere bekannte Schleppstrecke vor Victoria verlegen wuerde. Vielleicht war da mehr Leben. Die Fahrt war hoechstens 5 Minuten. Dort schleppte ich die Blinker in 40-50 m Tiefe – einen direkt am Grund und einen 3-5 m darueber. Und hier war tatsaechlich mehr los auf dem Echo. Aber Bisse bleiben erstmal aus. Dann hoerte ich ploetzlich meine hoehere Rute aechzen – mehr als ich die wilden Reissbewegungen sah. Wow! Der wollte aber wirklich weg!
“Endlich”, dachte ich, als ich besseren Widerstand fuehlte. Der Fisch tobte am anderen Ende und ich hatte eigentlich nicht allzugrosse Hoffnung, dass der den langen Weg haengen bleiben wuerde. Auch an der Oberflaeche angekommen hoerte der Lachs nicht auf zu toben. Er war nicht sehr gross aber mein bisher Bester heute. Als ich ihn neben dem Boot hatte und er mal eine Sekunde still hielt, mass ich ihn per Augenmass ab, etwa 60 cm. Gut, der kommt mit, wer weiss was noch alles oder nicht kommt heute. Ich drehte noch weitere Runden um die Fangstelle aber es biss nichts mehr. Komisch.
Dann zog ich weiter und an einer felsigen Untiefe fand ich dann einen weiteren Lachsschwarm und die waren hungrig! Es kam Biss auf Biss und mir wurde warm vom Kurbeln und Fisch abhaken. Ich fing so bestimmt 6 Lachse, alle so um die 50 cm und im Notfall behaltbar aber ich hoffte auf einen richtigen Brocken fuer mein Tageslimit. Als ich schon wieder Richtung Hafen zurueckschleppte hatte ich noch einen harten Biss, der auch sofort ausloeste und sich fuer einen Augenblick schwer anfuehlte – dann aber leider sofort wieder ausstieg. Eine fette Scholle fing ich noch – Beweis, dass ich gut grundnah gefischt hatte. Aber ein zweiter Lachs zum Mitnehmen sollte sich nicht mehr finden.
Kris war auch schon fertig und hatte neben seinem Lachs noch ein paar schoene Krabben gefangen. Also war der Tag doch gar nicht so schlecht – auch wenn das sicher noch ausbaufaehig ist. Aber das Jahr faengt ja gerade erst an und Fische gibt es schon mal! Und von wegen Regen, es wurde ein schoener, fast warmer und trockener Tag auf dem Wasser und am Ende waren sogar meine Socken wieder trocken!