9.5. 2026; Victoria
Ein windstiller Wochenendtag; mein Grosser war mal wieder zu Hause und mein Quasi-Adoptivsohn Alec hatte noch einen Tag Zeit vor seinem Abflug nach Italien. Und so machten wir uns am Samstag auf den Weg zur Victoria Bootsrampe welche um 9 Uhr morgens schon uebervoll war und ich den leeren Anhaenger in einer Seitenstrasse parken musste. Wow, waren die Angler aber ausgehungert oder was? Stellte sich heraus, dass Heilbuttderby war; veranstaltet von einem grossen Angelladen hier in der Stadt. Die Gezeiten passten aber wir wollten heute Lachse jagen. Ich hatte zwar auch zwei Pilkruten dabei aber das war eher fuer Lingcod und Felsenbarsch gedacht. falls Lachs schnell oder gar nicht ging.
Es war ohne jeglichen Wind richtig heiss auf dem Wasser! Das findet man selten hier. Wir duesten wie vorige Woche zu den Oak Bay Flats. Ich erwartete dort aehnlich stetige Action wie letzte Woche. Schnell setzten wir die 2 schlanken Blinker ein und fuhren den GPS Markierungen vom vorherigen Wochenende nach. Es waren anfangs noch 3 oder 4 andere Boot am Lachsschleppen oder Pilken aber mit fortschreitender Zeit verduennten sich die meisten. Am Horizont sahen wir eine grosse Menge Punkte – alles Buttangler die hinter der Schifffahrtslinie vor Anker lagen. Nach 2 Stunden hatten wir nur eine kleinere Scholle hochgebracht. Es war wie ein totes Meer. Wir hatten zwar viel zu erzaehlen, weil wir uns schon eine Weile nicht mehr gesehen hatten und besonders schon laenger nicht mehr miteinander geangelt hatten. Aber ein bisschen Action waere schon schoen, dachten wir. Und so beschloss ich zur Constance Bank rauszufahren. Vielleicht trieben sich da einige hungrige Lachse herum.
Auch dort lagen im Tieferen viele Sportboote vor Anker auf Heilbutt. Aber es waren hier bestimmt auch 10 Lachstroller am Werke – manche ganz oben auf der Bank in 20 m Tiefe und manche an der Kante zum Tieferen. Ich fuhr uns auch an der Kante zwischen 30 und 40 m Tiefe entlang. Den ersten Biss verpassten wir. Dann ruckte es an der Rute mit dem hoeheren Blinker – die Jungs hatten es gar nicht bemerkt aber ich war auf dem Sprung. Und als es nochmal ruckte, ruckte ich zurueck und etwas Schweres blieb haengen. Ich drueckte Ricardo die Rute in die Hand und er hatte gleich eine ordentliche Fluch zu parieren. Aha, das musste ein groesserer Fisch sein!
Wir liessen aber die zweite Rute noch drin um vielleicht einen Doppelbiss zu provozieren. Ich drehte die Drehzahl etwas zurueck um es Ricardo zu erleichtern. Der gewann jetzt immer wieder Schnur zurueck bevor er mal wieder was verlor. Das musste ein besserer Fisch sein, keine Frage. Er genoss den sportlichen Drill und Alec wartete schon mit dem Kescher. Dann sahen wir ihn – ein feiner Lachs – Mitte 70ger. Aber war der auch markiert? Der Lachs tobte jetzt hinter dem Boot herum und immer hin und her. Alec wollte ein paar mal mit dem Kescher zulangen aber immer wieder buechste der Lachs im letzten Moment aus. Wir glaubten keine Fettflosse zu sehen aber es war schwierig das an dem aktiven Fisch zu bestimmen. Dann sackte Alec ihn endlich ein und wir starrten in den Kescher. Ich fuhr nochmal mit dem Finger ueber den hinteren Ruecken – nope, keine Fettflosse. Klasse, ein Keeper! Da hatte der hungrige Student wieder was fuer seine Vorratskammer in Vancouver!
Waehrend Ricardo den Fisch versorgte, brachte ich uns wieder auf Kurs. Den naechsten Biss, wieder an der selben Rute, schnappte sich Alec. Der Fisch kam aber ohne viel Gegenwehr ans Boot und war auch deutlich kleiner. Er hatte wohl gerade so mein persoenliches Mindestmass von 50 cm aber er war auch noch unmarkiert und Alec liess ihn schnell wieder schwimmen. Jetzt hatten wir wohl einen Schwarm gefunden? Denkste. Jetzt wurde es wieder ruhig. Wir sahen auch auf den anderen Booten, die an uns vorbeikamen, keinerlei Action. Und so zog ich uns weiter zur Westseite der Bank. Hier zog die Stroemung schon ziemlich hart und mehr und mehr Heilbuttangler holten ihre Anker ein und gesellten sich zu uns zum Lachsschleppen. Ein Kleinboot mit 2 Maennern hatte zwei schoene Butte aussen am Boot im Wasser haengen. Na dann mal dickes Petri!
Da ruckte es ploetzlich zweimal kurz an der tieferen Rute – dann war wieder still. Ich blieb aber neben der Rute stehen und ploetzlich rappelte es wieder. Die spielen wohl nur herum mit den Koedern. Ich hieb an und es blieb Widerstand. Seitdem ich auf Geflochtene gewechselt hatte, blieben eindeutig mehr Lachse haengen und man sah auch die kleinen Rucke und Attacken besser. Die 15-20m Mono Topshot sollten aber immer noch etwas Dehnung erlauben um knapp Gehakte nicht immer zu verlieren. Beim tiefen Winderlachsangeln – definitiv eine Verbesserung zu pur Mono. Mal sehen wie das im Sommer mit den Grosslachsen aussieht.
Mein Lachs machte auch ordentlich Spektakel an der Rute und nutzte die nun harte Stroemung gut. Es dauerte einige Zeit bis ich den Fisch endlich am Boot hatte. Etwas kleiner als Ricardo’s aber ging auch auf die 70 cm zu. Leider aber unmarkiert und so hakte wir ihn einfach neben dem Boot ab. Schade. Wir haetten schon gerne noch mindestens einen. Der naechste Biss kam wieder hammerhart und an der tiefen Rute aber Ricardo verlor schon nach wenigen Sekunden den Kontakt. Ich hielt uns mehr oder weniger in der Stroemung auf der Stelle, was gut war wenn man einen Lachstruppe gefunden hatte. Allerdings garantierte keiner das auch die Lachse an der Stelle blieben.
Nach vielleicht weiteren 20 Minuten zeigte Ricardo ploetzlich aufgeregt zur flachen Rute. Die war schon aus dem Clip und als Alec die Rute aufnahm, zog sich auch gleich die Schnur stramm. Auch der Fisch verkaufte sich gut aber war offensichtlich kein Riese. Bald hatte Alec ihn muede gedrillt und ans Boot gebracht. Ein langer Blick aus 6 Augen – keine Fettflosse, war das einstimmige Urteil. Und sogleich kam der Kescher zum Einsatz. 62 cm, nicht schlecht! Jetzt haetten wir noch gerne einen Dritten um unsere 3 Lizenzen zu fuellen. Aber wie das so ist, jetzt ging ploetzlich nichts mehr. Ich schleppte uns nochmal die Kante entlang von vorher aber auch hier keinerlei Action. Und so packten wir gegen 13 Uhr ein um der Heilbuttarmada am Schlachttisch und der Rampe zuvor zu kommen. Funktionerte gut und wir hatten keine Wartezeit am Dock. Ein herrlicher, sonniger, windstiller Tag, fast schon zu warm auf dem Boot. War schoen mal wieder mit den Jungs draussen gewesen zu sein und deren neuesten Geschichten zu hoeren. Passiert nun schon viel zu selten. Sie angeln immer noch gerne aber haben eben jetzt ein eigenes beschaeftigtes Leben.